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Emre Kilic ist Straßenbahnfahrer. Er liebt seinen Beruf, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Dabei ist er erst seit knapp einem Jahr bei uns. Denn eigentlich ist Emre Frisörmeister. Wieso er sich mit 30 dennoch für einen Neustart entschieden hat und was seine Ausbildung zum Coolrider während seiner Schulzeit damit zu tun hat, darüber haben wir uns mit ihm unterhalten.
Vom Frisörmeister zum Straßenbahnfahrer
Redaktion: Emre, du bist eigentlich Frisörmeister. Du warst auf Messen, bei Shows und hast sogar auf Bühnen vor großem Publikum frisiert. Das klingt nach Glamour und nach einem ganz anderen Berufsleben als jetzt. Wie kam’s?
Emre: Ich bin ehrlich, es hat mich irgendwann nicht mehr erfüllt. Spaß gemacht hat es mir immer, aber es hat auch viel Stress bedeutet und einen wenig geregelten Arbeitsalltag. Ich wusste: Es muss eine Veränderung her.
Redaktion: Und dann hattest du direkt die Idee, Straßenbahnfahrer zu werden? Das ist ja eine völlig andere Richtung, die sich spontan nicht sofort aufdrängt.
Emre: Stimmt, das ist etwas völlig anderes. Ich kam auch nicht selbst drauf, ein Freund hat mir den Tipp gegeben, dass die VAG Fahrer*innen sucht. Also dachte ich spontan, ich bewerbe mich als U-Bahn-Fahrer. Das konnte ich mir für mich am besten vorstellen. Straßenbahnfahren hatte ich gar nicht am Schirm.
Redaktion: Wie ging es weiter?
Emre: Es ging alles relativ schnell. Die VAG hat sich gemeldet und mich eingeladen. Allerdings meinten Sie, dass der Bedarf an Straßenbahnfahrern aktuell größer ist. Also habe ich zugesagt und kurze Zeit später mit der drei-monatigen Ausbildung begonnen.
Sicheren Job aufgegeben – alles auf Neuanfang
Redaktion: Hast du den Schritt bereut?
Emre: Keine Sekunde, es hat mir ab dem ersten Tag Spaß gemacht. Die Kolleg*innen sind super und hilfsbereit. Ich fühle mich hier richtig wohl. Das empfinde ich als großes Glück, denn der Schritt war gar nicht hundertprozentig geplant; ich habe einen sicheren Job aufgegeben. Es hätte auch alles anders kommen können.
In drei Monaten zum Straßenbahnfahrer
Redaktion: Nach drei Monaten hattest du die Ausbildung in der Tasche. Ab dann war klar, du lenkst nun eine mehrere Tonnen schwere Straßenbahn allein durch die Stadt, bist jeden Tag verantwortlich für viele Fahrgäste, die sicher von A nach B kommen wollen. Wie hat sich das angefühlt?
Emre: Zwar vermittelt dir die Fahrschule alle Basics, trotzdem ist es ein Sprung ins kalte Wasser. Der erste Tag war der schlimmste, noch dazu gab es ausgerechnet an dem Tag einen Autounfall. Aber gerade diese Ausnahmesituation war gut. Ich wusste: Ab sofort musst du dir und deinem Können vertrauen, es gibt kein Zögern, kein Infragestellen. Straßenbahnfahren bedeutet, zu einhundert Prozent konzentriert sein, jede Sekunde.
Was tun, wenn es zu stressigen Situationen kommt?
Redaktion: Auch wenn du im Fahrerstand allein bist, immer mit dabei sind deine Fahrgäste. Was tust du, wenn es hier einmal zu kniffligen Situationen kommt?
Emre: Auch das ist ein fester Bestandteil der Ausbildung: Deeskalationstraining. Wir lernen, wie wir Ruhe bewahren und beispielweise einen Streit unter Fahrgästen unter Umständen lösen können. Alles aber immer nur so weit, wie wir uns nicht selbst gefährden.
Coolrider? Mehr als ein Schulprojekt
Redaktion: Dir war das Thema Deeskalation nicht fremd. Als Schüler hast du am Coolrider-Projekt der VAG teilgenommen. Ein Ehrenamtsprojekt, das Zivilcourage und ein gutes und friedliches Miteinander fördert – vor allem in Bus und Bahn. Hast du daran Erinnerungen?
Emre: Das war verrückt, weil ich während des Deeskalationstrainings kleine Flashbacks an die Ausbildung zum Coolrider hatte. Viele Elemente, die die Ausbilder damals für uns Schüler*innen heruntergebrochen hatten, wurden in ausführlicherer Form behandelt.
Selbstbewusster Dank Coolrider
Redaktion: Warum hast du dich damals für die Coolrider-Ausbildung entschieden?
Emre: Das Motto der Coolrider ist „Hinschauen statt Wegschauen“. Und so bin ich auch. Ich will helfen, wenn ich helfen kann und ich will dazu beitragen, dass Menschen gut miteinander umgehen. Mir persönlich haben die Coolrider damals in der Schule zu mehr Selbstbewusstsein und zu einem sicheren Auftreten verholfen. Ich kann die Ausbildung auch heute allen jungen Menschen sehr ans Herz legen. Zivilcourage können Eltern oder Lehrer*innen vermitteln, klar. Aber es ist nichts, was man in einem Buch lernt. Gerade deswegen sind die Coolrider so wertvoll, weil sie das Thema durchspielen, es greifbar machen. Wer weiß, vielleicht hatte ich das unterbewusst auch einfach so gut in Erinnerung, dass mich mein Weg jetzt wieder zur VAG geführt hat und ich meine Liebe zum ÖPNV entdeckt habe.
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Infos zur Coolrider-Ausbildung
Weitere Informationen rund um die Coolrider gibt es hier. Und ein Filmbeitrag auf unserem Youtube-Kanal zeigt, wie die Ausbildung abläuft.
Interview: Yvonne Rehbach
Foto: Yvonne Rehbach
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