Der VAG-Blog aus Nürnberg

Nürnbergs Stadtteil St. Peter: lohnendes Ziel

|

Geschätzte Lesezeit ca. 7 Minuten

Inhalt dieses Artikels

Wer an den Nürnberger Stadtteil St. Peter denkt, dem fällt, so wie mir, zunächst das Gebiet um die St. Peterskirche ein, insbesondere die dort prägenden Straßen. Nämlich die Harsdörffer, die Münchener und die Regensburger Straße, die sich an der St. Peterskirche kreuzen. Also viel Verkehr, der sich hier seine Wege in die Stadt, quer durch oder aus der Stadt sucht. 

Lohnt sich der Besuch des Stadtteils St. Peter?

Der Stadtteil St. Peter: Was gehört dazu?

Ein Blick in die Stadtkarte hilft. Tatsächlich ist der Stadtteil St. Peter größer als gedacht und lohnt in jedem Fall mehr als einen Besuch.

Im Norden wird der Stadtteil zu 100 Prozent und im Osten zu fast 100 Prozent durch Bahnlinien begrenzt. Im Westen grenzt die Allersberger Straße den Stadtteil St. Peter vom Stadtteil Galgenhof ab und die Harsdörffer- und die Schweigerstraße bilden die Grenze zum südlich gelegenen Stadtteil Gleißhammer.

Abgesehen von der Münchener Straße sind prägende Straßenzüge die Bayern-, die Scheurl-, die Stephan- und die Scharrerstraße. Besondere Ziele liegen in der Schloßstraße, der Schultheißallee und in der Oskar-von-Miller-Allee.

Mit dem ÖPNV nach St. Peter

Mit den Straßenbahnlinien 6 (Westfriedhof – Doku-Zentrum) und 10 (Am Wegfeld – Dutzendteich) sowie der Buslinie 36 (Plärrer – Doku-Zentrum) ist der Stadtteil gut angebunden an das Zentrum und an andere Stadtteile.

Was gibt es zu entdecken im Stadtteil St. Peter?

Zwei lohnende Ziele habe ich schon erwähnt: die Peterskirche und das Historische Straßenbahndepot St. Peter. Die Meistersingerhalle mit dem Luitpoldhain sind zwei weitere, zu denen es rund ums Jahr bzw. im Sommer Menschen(massen) zieht. Mehr dazu im weiteren Verlauf. Der Volksfestplatz und das Reichsparteitagsgelände sowie der Dutzendteich schließen an den Stadtteil St. Peter an, gehören aber überwiegend zum Stadtteil Südöstliche Außenstadt.

Rundgang von St. Peter über die Peterskapelle bis zum Friedhof

Was liegt also näher, als den Stadtteil St. Peter zunächst einmal ab der Haltestelle St. Peter zu erkunden und mit der evangelisch-lutherische Kirche St. Peter zu starten. Abgesehen von Gottesdiensten und besonderen Veranstaltungen ist diese aber geschlossen. Dennoch lohnt es sich, Zeit zu nehmen und die neugotische Fassade genauer anzusehen. Die Kirche wurde erst in den Jahren 1897 bis 1901 erbaut. Unweit entfernt von der Peterskirche liegt im Kapellenweg die mittelalterliche Peterskirche, heute Peterskapelle. Sie entstand wie der nahe gelegene Friedhof in den Anfängen des Stadtteils.

Die Geschichte des Stadtteils St. Peter, der Peterskapelle und der Peterskirche

In einer Chronik der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Peter aus dem Jahr 2011 heißt es: „Die ältesten Nachrichten über die Anfänge der Gemeinde St. Peter stammen aus dem 14. Jahrhundert. Im Jahre 1344 wird der „Siechkobel am Siechgraben“ urkundlich erwähnt. Es ist ein Haus, östlich vor den Stadtmauern Nürnbergs gelegen, zunächst und in erster Linie für Aussätzige bestimmt. Ende des 16. Jahrhunderts waren bis zu 22 Insassen darin untergebracht. Sie fanden in diesem Hause wie auch in den Siechkobeln von St. Johannis, St. Jobst und St. Leonhard eine Stätte, in der sie vor der bittersten Not bewahrt blieben.“ Literaturempfehlung | Evang.-Luth. Pfarrei Nürnberg-Südstadt

Und über die Geschichte der Kapelle ist dort zu lesen: „Zuverlässige Kunde über die Entstehung unserer heutigen St. Peterskapelle besitzen wir durch das Vermächtnis des im Jahre 1440 verstorbenen Gabriel Tetzel. Er stiftete eine „Kirche in St. Peter und Pauls Ehren am Siechgraben“ und stellte durch die Finanzierung sicher, dass in dieser Kirche regelmäßig Gottesdienst gehalten wurde. Im Jahre 1470 wurde der Bau der Kapelle vollendet. Als der Rat der Stadt Nürnberg im Jahre 1525 der evangelischen Lehre freie Bahn gab, wurde auch in St. Peter unter dem Patronat des Christoph Tetzel Gottesdienst und Feier des Hlg. Abendmahles in evangelischer Weise eingeführt.“

St. Peter verändert sich

Die Geschichte des Stadtteils geht also auf die gleichnamige Kirche St. Peter und Paul und den zugehörigen Siechkobel zurück. Erst ab Anfang des 19. Jahrhunderts kamen zur Kirche, zum Siechkobel sowie einem Wirtshaus weitere Gebäude hinzu. Die Kapelle wurde für die Ortschaften Tafelhof, Steinbühl, Galgenhof, Lichtenhof und Glockenhof Gotteshaus und Zuhause der neue Pfarrgemeinden St. Peter.

Stadtteil wächst rund um die Kapelle

In der Folge wuchs St. Peter. Am 1. Dezember 1844 wird der St. Petersfriedhof eingeweiht. Es folgten Friedhofserweiterungen, die auch Beleg dafür sind, dass die Bevölkerung in den zugehörigen Ortschaften, heute Stadtteilen von Nürnberg, kräftig wuchs.

In den Jahre 1897 bis 1901 konnte endlich die St. Peterskirche nach Plänen von Josef Schmitz erbaut werden. Durch eine „Allerhöchste Entschließung“ wurde die alte St. Peterskirche im Jahre 1898 in St. Peterskapelle umbenannt. Ein weiteres Anwachsen der Gemeinde ließ zwei Tochtergemeinden entstehen: 1916 St. Paul und im Jahre 1923 Lichtenhof Gustav-Adolf-Gedächtnis-Kirche.“

Abstecher zum Friedhof

Der zur Kirchengemeinde St. Peter gehörige Friedhof ist Zeichen eines im 19. Und 20. Jahrhundert wachsenden Stadtteils. Er liegt beidseits der Schloßstraße. Der ältere Teil im Norden in der Nähe der Kapelle, der ältere im Süden der Schloßstraße, aber Tor an Tor. Es ist immer lohnend über alte Friedhöfe zu gehen und anhand der teils historischen Grabsteine etwas die Geschichte nachzuvollziehen. Manch historischer Grabstein ist einfach schön anzusehen.

Weiter durch den Stadtteil

Zurück in den Kapellenweg bietet sich ein Abstecher in die Stephanstraße an. Dort gibt es das eine oder andere sehr schön sanierte alte Wohnhaus. Entlang der Stephanstraße gibt es einige Querstraßen, die die Nähe zu den Gleisen im Norden sichtbar machen. Schließlich kommt man zu einer großen Produktionsstätte der Firma Diehl aus dem 19. Jahrhundert. Weiter geht es Richtung Peterstraße und Schloßstraße, wo der Rundweg an den Toren des Historischen Straßenbahndepots St. Peter fast beendet ist.

Das Historische Straßenbahndepot St. Peter der VAG

Regelmäßig zieht unser Historisches Straßenbahndepot St. Peter große und kleine Besucher*innen aus der Stadt und auch von Fern in den Stadtteil St. Peter. 1985 wurde das ehemalige Depot als Museum eröffnet. Der Anlass: der 150. Geburtstag der ersten Eisenbahnstrecke in Deutschland, nämlich von Nürnberg nach Fürth.

Rund ums Jahr bieten die VAG und die Freunde der Nürnberg-Fürther Straßenbahn e. V. Veranstaltungen an, zeigen, wie sich der ehemals private Pferdebahnbetrieb zu einem der großen kommunalen Verkehrsunternehmen entwickelt hat. Angeboten werden auch Rundfahrten und das Straßaboh-Cafe bietet sich für eine angenehme Pause an.

Auf Entdeckertour in die Stadtteile und darüber hinaus

Von Mai-Wochenende bis Oktober bietet das Straßenbahndepot Entdeckertouren im Oldtimerbus an. Die fast zweistündigen Fahrten kosten 16,00 Euro, inklusive Erfrischungsgetränk. Sie starten immer am ersten Sonntag im Monat, jeweils um 13.30 und 15.30 Uhr am Historischen Straßenbahndepot St. Peter. Wohin es in diesem Jahr geht, steht unter Rundfahrten der VAG: öffentliche Touren durch Nürnberg: VAG Events.

Auf der Seite gibt es auch Informationen zu Stadtrundfahrten mit historischen Straßenbahnen oder jetzt schon für die Glühweinfahrten im Advent.

Eine Platzreservierung wird in allen Fällen dringend empfohlen, telefonisch unter 0911/283-4646 oder online auf der Seite mit den Terminen.

Straßenbahndepot: Öffnungszeiten, Eintritt und Anreise

Das Historische Straßenbahndepot St. Peter in der Schloßstraße 1 ist von Februar bis November jeweils am ersten Wochenende im Monat, also am Samstag und Sonntag, von 10.00 bis 17.30 Uhr für Rundgänge geöffnet, der letzte Einlass ist um 17.00 Uhr. Der Eintritt beträgt 6,50 Euro für Erwachsene und 3,50 Euro für Kinder bis 14 Jahre. Die nächstgelegene VAG‑Haltestelle ist Peterskirche und ist mit den Straßenbahnlinien 6 und 10 sowie der Buslinie 36 erreichbar.

Alle Informationen zum Depot‑Wochenende gibt es unter www.vag.de/museum

Rundgang durch den Luitpoldhain

Der Luitpoldhain lohnt nicht nur während der Klassik Open Air-Konzerte im Sommer einen Besuch. Ein Spaziergang auf dem weitläufigen Areal ist zu jeder Jahreszeit schön.

Der Park mitten in der Stadt wurde aus Anlass der Bayerischen Landesausstellung 1906 von der Stadt Nürnberg angelegt. Sie benannte den Park nach dem bayerischen Prinzregenten Luitpold (1821–1912).

Im Jahr 1912 wurde auf einem Teil des Geländes der Jubiläumsausstellung und an den so genannten Nummerweihern der Alte Tiergarten mit über 800 Tieren angesiedelt. 1939 zog er an seinen heutigen Standort am Schmausenbuck um.

Der Luitpoldhain im Nationalsozialismus

Bereits 1927 und 1929 hielt die NSDAP hier und in der Innenstadt Reichsparteitage zur Selbstdarstellung der Partei und der Verherrlichung des „Führers“ Adolf Hitler ab.

In unmittelbarer Nähe entstand die Kongresshalle, wo man heute das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände findet. Die Dauerausstellung „Faszination und Gewalt“ befasst sich mit den Ursachen, Zusammenhängen und Folgen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Im Mittelpunkt steht die Geschichte der Reichsparteitage, die als gewaltige Massenveranstaltungen von der NS-Propaganda zur Inszenierung der „Volksgemeinschaft“ genutzt wurden. Wer mehr wissen möchte über den Nationalsozialismus in Nürnberg, findet die Geschichte bestens aufbereitet im nahen Dokumentations-Zentrum Reichsparteitagsgelände.

Bauliche Überreste aus der Geschichte des Luitpoldhains finden sich nur noch wenige. An der Topografie lassen sich aber manche Bauten, wie die Luitpold-Arena, noch erahnen.
Am nordwestlichen Rand des Luitpoldparks liegt die Meistersingerhalle, ein zeittypischer Zweckbau, der im Jahr 1963 eröffnet wurde.

Schulen im Stadtteil

Wem es noch nicht bekannt war: St. Peter ist auch Schulstandort. Hier sind die Scharrerschule (Herzlich Willkommen bei der Mittelschule Scharrerschule – Scharrer Mittelschule und GESCHICHTE DER SCHARRERSCHULE – Scharrer Mittelschule) in der Scharrerstraße, die Grundschule Holzgartenschule (holzgartenschule.de) und die Berufsschule B 1 zuhause. Zumindest die Geschichte der Scharrerschule lohnt sich nachzulesen

Stadtteil St. Peter lohnt einen Besuch

Auch wenn beim ersten Gedanken nicht sofort zig schöne Bilder und Wege im Kopf sind, der Stadtteil St. Peter lohnt mindestens einen Besuch.

Aber sicher liegt André Fischer, Chefredakteur der Nürnberger Zeitung richtig, der 2019 in einem Beitrag über St. Peter geschrieben hat: „Es ist vielleicht das größte Problem von St. Peter, dass eine Identität fehlt und es auch keinen Ortskern gibt. St. Peter gibt es als Stadtteil vor allem im Kopf, denn die Bewohner sind ein Teil von anderen Einheiten, aber nicht von St. Peter selbst.“
Und ja, auch hier ist ihm zuzustimmen: „Die St.-Peter-Kirche steht etwas verloren in der Autolandschaft und wird vom Verkehr dauerhaft umspült.“ Dennoch hat die Kirche Charme.

Ein Besuch des Stadtteils St. Peter lohnt sich, wie ich finde.

Zum Schluss noch ein paar Tipps

Zu guter Letzt noch zwei Tipps. Einer von André Fischer: „Das wunderbare Gleißhammer Schloss leuchtet nur zweimal im Jahr und stiftet Gemeinschaftssinn: mit dem Weihnachtsmarkt und mit dem sommerlichen Gleißhammer-Fest.“ Dieses Jahr im 21. Juni 2026.

Ich finde zumindest kurzer Abstecher nach St. Peter lohnt auch deshalb, weil es in unmittelbarer Nähe zur Haltestelle St. Peter und gegenüber des Historischen Straßenbahndepots St. Peter seit 2024 ein besonderes Schmuckstück gibt: nämlich ein hübsches Café mit Terrasse, und zwar im ehemaligen Autohaus Krauss. Da wo einst Autos verkauft wurden, kann man angenehm pausieren und 1950er Jahre atmen. Das ehemalige Verkaufs- und Bürogebäude steht unter Denkmalschutz.

Ihr Tipp in Stadtteil St. Peter

Welche Tipp für den Stadtteil St. Peter haben Sie? Schreiben Sie uns.

Text: Elisabeth Seitzinger
Fotos: Elisabeth Seitzinger

Kommentare

0 Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Es gilt die Datenschutzerklärung der VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg

Stadtteilserie: Langwasser

Stadtteilserie: Langwasser

Langwasser liegt im Süden Nürnbergs. Er ist der Underdog unter den Stadtteilen, hat er doch weit mehr zu bieten, als viele auf den ersten Blick denken. Im Stadtteil steckt jede Menge Stadtgeschichte, Architekturvision und Alltagstauglichkeit. Besonders zu erwähnen: In...

Stadtteilserie: Mögeldorf

Stadtteilserie: Mögeldorf

Am östlichen Stadtrand Nürnbergs gelegen, zeichnet sich Mögeldorf vor allem durch eine besondere Mischung aus historischer Dorfstruktur mit städtischem Charakter aus. Durch die Lage zwischen Wöhrder See, Pegnitztal und Lorenzer Reichswald ist Mögeldorf einer der...

Stadtteilserie: Ziegelstein

Stadtteilserie: Ziegelstein

Ziegelstein verbindet Geschichte mit moderner Mobilität – und das nur wenige Minuten von der Nürnberger Innenstadt entfernt. Geprägt von der Nähe zum Flughafen und einer hervorragenden Verkehrsanbindung, hat sich der Stadtteil zu einem attraktiven Wohnort mit eigenem...

Stadtteilserie: Eibach

Stadtteilserie: Eibach

Wer in Nürnberg ein ruhiges Wohngebiet mit guter Verkehrsanbindung, solider Alltagsinfrastruktur und Nähe zur Natur sucht, kommt an Eibach kaum vorbei. Der im Süden Nürnbergs gelegene Stadtteil überzeugt mit dörflichem Charme, viel Grün und kurzen Wegen – ideal für...