100 Jahre Omnibus in Nürnberg: die Verkehrswende im Visier

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Trotz zeitweisen Regenschauern: Unsere Bilanz für unser Jubiläumswochenende fällt positiv aus. Über 10.000 Gäste kamen am Samstag, 29. und Sonntag, 30. Juli 2023 und feierten mit uns im Busbetriebshof Schweinau 100 Jahre Omnibus in Nürnberg. Die Geschichte und die Zukunft unserer Busse standen ebenso im Mittelpunkt wie wir als attraktiver Arbeitgeber.

Die Mischung aus Information und Unterhaltung kam bei den Gästen, darunter auch sehr viele Familien und junge Menschen, sehr gut an. Rundfahrten mit alten und neuen Omnibussen, Einblicke in die Werkstätten, den Betriebshof und die eBus-Strategie waren genauso gefragt wie der Azubi-Club und der Bewerbungsbus.

100 Jahre Omnibus mit Partnern

Die Freunde der Nürnberg-Fürther Straßenbahn e. V. waren vor Ort mit ihrem Info- und Verkaufsstand sowie ihrer großen Modellbahnanlage. Ein echter Hingucker am Stand der Freunde der Nürnberg-Fürther Straßenbahn war der Busanhänger für den ältesten historischen Bus von 1939 im Fundus der VAG und des Vereins. Er soll mit Spendengeldern restauriert werden. Auf großes Interesse stießen auch die Stände unserer Hersteller und Lieferanten: Reifen-Lorenz, MAN und Mercedes waren ebenso vertreten wie ZF und Voith oder die PB Consult. Letztere ist zu 50 Prozent unsere Tochter, die u. a. Leistungen im Bereich Mobilitätsmanagement, Infrastruktur und Qualitätsmessungen anbietet.

Nürnbergs Oberbürgermeister dankt für 7, 24, 365 Dienst

Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König bedankte sich in seinem Grußwort bei unseren Beschäftigten und unseren Vorständen – ehemaligen wie aktiven – für ihr Engagement für den ÖPNV. „Ich danke allen, die dazu beitragen, dass Busse und Bahnen fahren, besonders den Kolleginnen und Kollegen, die jeden Tag Bus fahren. 7, 24, 365! Wir haben in Nürnberg wirklich sieben Tage fast 24 Stunden Betrieb und das 365 Tage im Jahr.“

Nürnbergs Oberbürgermeister für Verkehrswende

König machte deutlich, welche Ziele die Stadt mit ihren Investitionen in den ÖPNV hat: „Wir wollen bis 2030 rund 30 Prozent mehr Fahrgäste in unseren ÖPNV bringen. Wir hatten vergangenes Jahr ca. 136 Millionen Fahrgäste; vor Corona waren es 152 Millionen. Wir wollen bis 2030 wirklich die 200-Millionen-Marke knacken. Mehr Busse, mehr Straßenbahnlinien, bessere U-Bahn-Anbindungen, mehr ÖPNV. Damit wollen wir es schaffen, mehr Menschen für den ÖPNV zu gewinnen. Das bringt nicht nur der VAG etwas, das bringt der Stadt etwas, das bringt dem Klima etwas. Und deshalb, meine Damen und Herren, fahren Sie bitte mit dem öffentlichen Nahverkehr.“

Freistaat ist fürs Umsteigen auf den ÖPNV

Stellvertretend für Ministerpräsident Dr. Markus Söder sprach der CSU-Landtagsabgeordnete Jochen Kohler aus Nürnberg ein Grußwort. Auch er plädierte für einen Umstieg auf Busse und Bahnen: „Beim Freistaat Bayern haben wir ein erklärtes Ziel, nämlich die Verkehrswende. Wir wollen die Fahrgastzahlen bis 2040 nach oben bringen, mehr Menschen vom Auto in die öffentlichen Verkehrsmittel. Das ist gut für die Umwelt und fürs Klima. Voraussetzungen, damit das gelingt, haben wir viele. Voraussetzung sind auch bezahlbare Ticketpreise. Das Deutschlandticket ist großartig, aber es müssen noch mehr kaufen.“

Freistaat fördert den ÖPNV

Die Stadt Nürnberg und die VAG würden sich drei verschiedene Verkehrsmittel leisten und viel investieren, damit die Einwohner Nürnbergs mobil sind, so Kohler weiter. Der Freistaat beteilige sich über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz an den Investitionen. So habe er allein den Kauf neuer Busse in den Jahren 2020 bis 2023 mit insgesamt 8,6 Millionen Euro gefördert. Der Förderbescheid für 2023 werde in Kürze kommen. Außerdem bezuschusste der Freistaat den Bau des eBus-Ports mit 1, 7 Millionen Euro. Und auch für die Umsetzung des Maßnahmenpakets 2030 zum Ausbau des ÖPNV in Nürnberg werde der Freistaat Zuschüsse geben.

Zuletzt verwies Kohler darauf, dass der Strom für unsere eBusse von der N-ERGIE als Ökostrom eingespeist wird. Kohler: „Energie- und Verkehrswende Hand in Hand, was kann es Schöneres geben.“

VAG-Vorstandssprecher: Mobilität bedeutet Chancen

Unser Vorstandssprecher Tim Dahlmann-Resing verwies zunächst darauf, dass der VAG-Standort in Schweinau Tradition habe. An der Stelle des heutigen zentralen Busbetriebshofes war 1912 ein Straßenbahnbetriebshof in Betrieb gegangen. Ab 1923 wurden hier die ersten Busse abgestellt: „Die Anfänge waren bescheiden. Für die erste Linie brauchte der Verkehrsbetrieb nur vier Fahrzeuge. Seit 1984 ist dieser Standort ausschließlich für den Busbetrieb verfügbar. Abstellung und Instandhaltung. Er entwickelt sich noch immer weiter.“

100 Jahre Mobilität für Menschen

Den Wert des ÖPNV skizzierte Dahlmann-Resing wie folgt: „100 Jahre Bus, das sind 100 Jahre Mobilität für Menschen. Mobilität bedeutet Chancen. Chance auf Erwerbsarbeit, Chance auf Teilhabe, Chance auch auf wirtschaftliche Entwicklung und das sehen wir im Rückblick auch sehr deutlich in der Stadtentwicklung. Die erste Linie war nämlich ein Zugeständnis an die gerade eingemeindeten heutigen Stadtteile Röthenbach, Eibach, Reichelsdorf und Mühlhof mit dem großen Arbeitgeber Leonische Drahtwerke. Auf alten Bildern sieht man, wie ländlich das dort 1923 war. Und wir sehen heute, wie sich die Stadt in den letzten 100 Jahren auf dieser Achse entwickelt hat.“

ÖPNV-Ausbau fördern

Die heutige Leistung des ÖPNV fasste unser Vorstandssprecher wie folgt zusammen: „Heute betreiben wir in Nürnberg und darüber hinaus 53 reguläre Buslinien im Tagesverkehr, mit über 200 eigenen und 50 Bussen privater Unternehmer, die in unserem Auftrag fahren. Ihre Linienäste summieren sich auf 548 Kilometer. Am Tag kommen rund 50.000 Kilometer zusammen. Pro Jahr summiert sich die Verkehrsleistung des Busbetriebes der VAG aktuell auf etwa 14 Millionen Kilometer und 35 Millionen Fahrgäste.“ Und weiter: „Damit haben wir bereits einiges erreicht.“

Ausbaupläne für den Bus

Um aber die ambitionierten politischen Ziele vom Bund und vom Freistaat, nämlich der Verdoppelung der Verkehrsnachfrage und der Fahrgastzahlen zu erreichen, muss das Angebot ausgebaut werden. Taktverdichtungen in den Neben- und Spätverkehrszeiten oder bedarfsgesteuerte On-Demand-Verkehre spätabends und in der Nacht sind zwei konkrete Beispiele, für die wir in Nürnberg bereits die Pläne fix und fertig in der Schublade haben. Leider fehlt uns, da schaue ich in Richtung Politik, das Geld dafür, das umzusetzen. Wir glauben, dass es notwendig ist, öffentliche Verkehrsmittel durch Bund und Freistaat stärker zu fördern. Ohne Förderung wird die Verkehrswende nicht gelingen. Übrigens war das schon vor 100 Jahren nicht anders. Denn allein die Fahrgeldeinnahmen haben noch nie gereicht.“

Dahlmann-Resing bedankte sich für die Unterstützung in der Vergangenheit beim Bund, dem Freistaat und der Stadt. „Unsere eBusse sind aktiver Klimaschutz.“

Danke für 100 Jahre Einsatz für den Bus

Zu guter Letzt sprach Tim Dahlmann-Resing auch allen den Dank der VAG aus, die für den ÖPNV aktiv sind. „100 Jahre Bus sind auch ein Anlass allen Dank zu sagen, die sich für den Bus einsetzen. Ob bei der Stadtverwaltung, bei staatlichen Behörden, bei privaten Verkehrsunternehmen, die in unserem Auftrag fahren, und auch bei der Fahrzeugindustrie. Gestatten Sie mir aber, dass ich die Mitarbeitenden – aktive wie ehemalige – besonders hervorhebe. Sie sorgen, wie es der Oberbürgermeister richtig gesagt hat, dafür, dass die Räder rollen und sie sicher, zuverlässig und gut ans Ziel kommen. Wir hoffen auch in Zukunft auf engagierte Mitarbeitende. Sie sind für grüne Mobilität aktiv.“

Zufriedene Veranstalter

Michael Sievers, Geschäftsbereichsleiter unserer Werkstatt Bus, freut sich über die gelungene Jubiläumsfeier. „Es war ein rundum gelungenes Fest, das Gästen wie uns Gastgebern viel Freude gemacht hat. Das Team der Werkstatt Bus hat sich sehr gut präsentiert und viel positives Feedback erhalten. Auch alle anderen Mitwirkenden, externe wie interne, haben einen tollen Job gemacht und das Ganze super ergänzt und abgerundet.“ Und : „Auch die „Oldiefreunde“ aus der Region, aber auch von weiter her, u. a. München und Stuttgart, haben viel Begeisterung mit den tollen historischen Bussen ausgelöst. Viele Gäste sind gerne bei den Rundfahrten dabei gewesen. Ich kann nur allen Beteiligten ein herzliches Danke sagen. Wir alle haben den ÖPNV und hier insbesondere den Bus bestens präsentiert.“

Dr. Petra Joerg, Leiterin Zielgruppenbetreuung im Marketing der VAG, ist ebenfalls rundum zufrieden und sagt: „Wir sind mehr als zufrieden. Bei der Einfahrt der historischen Busse am Ende der Sternfahrt hatte ich tatsächlich Gänsehautfeeling. Es war einfach mega.“

Kuchen essen für den guten Zweck

„Wer feiert, darf auch an andere denken“, formulierte Nürnberg Oberbürgermeister Marcus König. Und deshalb wurden die Jubiläumstorte sowie weiterer Kuchen für den Jugendtreff Oase auf Spendenbasis – mindestens zwei Euro pro Stück – abgegeben. Den Scheck in Höhe von 1.000 Euro nahmen Sozialpädagoge Sebastian Krumm und Leyla Engelke, Stammgast im Jugendtreff, entgegen.

Dem Busjubiläum haben wir übrigens eine Sonderveröffentlichung gewidmet.

Autorin: Elisabeth Seitzinger 
Foto: VAG/Claus Felix 

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