Menschen in Bayern pro Verkehrswende

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Wie stehen die Bürger*innen in Bayern zu Mobilitätsfragen? Wie sind sie heute mobil und was wünschen sie sich für die Zukunft? Diesen Fragen ging der ADAC Bayern nach und stellte jetzt in Nürnberg mit Experten aus der Mobilitätsbranche die Ergebnisse vor. VAG-Vorstandssprecher Tim Dahlmann-Resing war dabei.

„Die Befragung zeigt einmal mehr, dass eine einseitige Infrastrukturpolitik, die einem Idealbild nachhängt, auf wenig Zuspruch stößt. Wir brauchen gleichermaßen einen guten ÖPNV, eine durchgängige, sichere Radinfrastruktur, durchdachte Fußverbindungen und eben auch eine intelligente Verkehrsflusssteuerung im motorisierten Individualverkehr auf leistungsfähigen Strecken, die natürlich auch in Stand gehalten werden muss“, so Thomas Dill, Vorsitzender des ADAC Nordbayern. Im Auftrag des ADAC befragte Infra gut 2.000 Menschen zwischen 18 und 79 Jahren in Bayern zu ihrem Mobilitätsverhalten im Alltag und im Urlaub. Das Ergebnis: Die Menschen sind für die Verkehrswende, auch wenn sie noch häufig aufs Auto angewiesen sind.

Verfügbarkeit ist entscheidender Faktor

„Die Ergebnisse zeigen klar die Bedeutung, die die Befragten Bussen und Bahnen beimessen: einerseits als wesentlichen Beitrag zur Reduzierung schädlicher Emissionen, anderseits bei der Bereitschaft, das eigene Mobilitätsverhalten zugunsten des Umweltverbundes zu ändern, wenn es denn attraktive Alternativen gibt“, so VAG-Vorstandssprecher Tim Dahlmann-Resing. Laut der Studie ist die Verfügbarkeit (mit 69 Prozent) das entscheidendste Kriterium für die Verkehrsmittelwahl. Es folgen Schnelligkeit (59 Prozent), Zuverlässigkeit (56 Prozent), Bequemlichkeit (51 Prozent) und die Kosten (50 Prozent). „Es ist schön für unsere Kunden, dass es das Deutschlandticket gibt; aber es gibt noch deutlich wichtigere Argumente für die Verkehrsmittelwahl. Das heißt ganz klar: die Angebote müssen resilient ausgebaut werden! Was heißt in diesem Zusammenhang resilient? Es reicht eben nicht, nur ein Angebot vorzuhalten, sondern es muss hinsichtlich der Gesamtreisezeit zum PKW konkurrenzfähig und generell zuverlässig sein. Es darf eben kein Lotteriespiel sein, ob der Anschluss erreicht wird oder nicht! In den Städten bedeutet das u.a., Bussen und Straßenbahnen Vorrang einzuräumen und die Verkehrswege soweit möglich zu trennen“, so der VAG-Vorstand.

Unterschiede zwischen Stadt und Land

Große Unterschiede gibt erwartungsgemäß in der Bedeutung von Bussen und Bahnen in Stadt und Land. „Dieses Ergebnis ist nicht überraschend, da es im ländlichen Raum an einem entsprechenden Angebot fehlt. Die Lösung hier: Den Öffentlichen Verkehr intelligent ausbauen. Dazu braucht es  neben starken Achsen mit attraktiven Takten On-demand-Verkehre als Zubringer und die Stärkung der Verknüpfungspunkte wie Park & Ride-Plätze„, sagte Tim Dahlmann-Resing. „Aus Umweltgründen sind insbesondere die regelmäßig zurückgelegten längeren Pendlerstrecken relevant; daher muss man an diesen Achsen ansetzen. Auch die Städte profitieren davon, denn nur so lässt sich auch der Verkehr in den Städten reduzieren. In Nürnberg pendeln jeden Tag 180.000 PKWs ein und wieder aus.“

Jeder zweite für stärkeren Ausbau des ÖPNV

Den Ausbau von Bussen & Bahnen sehen auch die Befragten als oberste Priorität: Wenn es um die Priorisierung von Verkehrsinfrastruktur-Neubau geht, nennen 51 Prozent den Öffentlichen Verkehr an erster Stelle. Die Bereitschaft, das eigene Mobilitätsverhalten zu verändern, ist ebenfalls gegeben: Jeweils ein Drittel der Befragten sagt, in Zukunft den ÖPNV und das Fahrrad mehr nutzen zu wollen. Nur 15 Prozent wollen das Auto öfter nutzen, 43 Prozent planen, es weniger oder gar nicht mehr zu nutzen.

Verzicht auf eigenen Pkw

Immerhin sind 16 Prozent (in Mittelfranken sogar 19 Prozent) zu einem zukünftigem Verzicht auf den Pkw bereit. Leider sagen aber 56 Prozent, sie könnten auf das Auto mangels Alternativen nicht verzichten. Tim Dahlmann-Resing: „In dem Ergebnis spiegelt sich sicherlich auch die Erfahrung wider. Wo es kein oder wenig Angebot gibt, ist auch ein Umstieg nicht vorstellbar. Das ist ein deutlicher Beleg dafür, dass wir dringend auch auf dem Land in das Angebot investieren müssen. Und dort, wo es schon gut und sehr gut ist, mehr Menschen davon überzeugen müssen, dass ein Umstieg – zumindest häufiger – gut möglich ist.“

ÖPNV-Ausbau als beste Maßnahme für Umweltschutz

Den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel sehen 58 Prozent als die beste Maßnahme zur Umsetzung des Klima- und Umweltschutzes an. „Ganz generell: Der ÖPNV ist Daseinsvorsorge für alle Menschen, vermeidet unerwünschte CO2-Emissionen, schafft Platz für andere Nutzungen in der Stadt, vermeidet Stau, hilft dadurch notwendigem Wirtschaftsverkehr bei Vermeidung unproduktiver Zeiten. Wenn wir diese Ziele erreichen wollen, müssen wir neben Anreizen auch restriktive Maßnahmen wie Parkraumbewirtschaftung und Parkraumverknappung ergreifen. Fachleute nennen das Push & Pull. Jeder Vierte empfindet ja auch den Stau als größte Belastung. In den Städten ist aber schlicht nicht mehr Platz für noch mehr Autos. Auch in Nürnberg sehen wir, dass man durchaus Fahrspuren zugunsten des ÖPNV, aber auch der Fahrradfahrer wegnehmen kann, ohne, dass es mehr Staus gibt“, erklärte der VAG-Vorstandssprecher.

Mobilitätsverhalten im Urlaub

Nicht nur im Alltag, auch bei der Erschließung der Urlaubsorte wünscht sich die Mehrheit eine Verbesserung bei den öffentlichen Verkehrsmitteln. Hier finden Sie die komplette Studie

Mitwirken an der Verkehrswende

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Text: Barbara Lohss
Foto: ADAC Nordbayern e. V.

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