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Rot statt blau: Wir tauschen die Sitze in unseren automatischen U-Bahn-Fahrzeugen. Im kommenden Jahr soll die Erneuerung abgeschlossen werden.
Für Tobias Schneider, Leiter Service U-Bahn/Tram, also der Werkstätten, ist die Erneuerung kein Luxus: „Es ist höchste Zeit, dass wir die alten blauen Polster tauschen. Nicht, weil Rot jetzt als Hausfarbe für die Polster vorgegeben ist. Nein, es ist eine Frage des Wohlfühlens. Den Polstern sieht man an, dass sie schon lange besessen werden. Das ursprünglich intensive Blau ist verblichen, durch das häufige und intensive Reinigen ist der Stoff abgescheuert und das braune Grundmaterial scheint hervor. Wir sind in den vergangenen Jahren zu Recht immer wieder von Fahrgästen darauf angesprochen worden.“ Schneider erläutert weiter: „Insgesamt haben wir alleine in unseren U-Bahnen und Straßenbahnen über 25.000 Sitzelemente, die regelmäßig erneuert werden. In unseren automatischen U-Bahn-Zügen sind es jetzt über 5.000, die wir unter Hochdruck tauschen und aufbereiten. Neben unserer eigenen Sattlerei arbeiten wir speziell für die Züge auf U2 und U3 auch mit externen Firmen zusammen, um unseren Fahrgästen bald in allen Zügen neue Poster bieten zu können. Rund 80 Prozent der Züge haben schon neue Polster.“
Eigene Sattlerei im Dauereinsatz
Sitzschallen und Rückenlehnen werden das ganze Jahr über in unserer eigenen Sattlerei in der U-Bahn-Wagenwerkstatt neu bezogen. Wer dort Pavel Oldenburger und seinen beiden Kollegen zuschaut, sieht, dass es läuft. Mehr noch, dass es allen drei Mitarbeitern ein Anliegen ist. Akribisch werden die Stoffe zugeschnitten, dann zusammengenäht und exakt auf die Sitzschalen aufgezogen, um die wichtigsten Arbeitsschritte zu benennen. Jeder Handgriff sitzt. Unter den Stoff kommt übrigens noch ein Polster, damit der Stoff nicht auf der harten Schale scheuert.
Pavel Oldenburger ist gelernter Herrenschneider und damit die perfekte Besetzung. Seine beiden Kollegen Jens Bethke und Jörg Reidel – früher Fahrer bzw. Mechaniker – unterstützen ihn dabei. Sie haben in der Sattlerei eine neue Aufgabe gefunden, die ihnen Spaß macht. Pavel Oldenburger hat ihnen alles beigebracht – bis ins Detail.
Regelmäßig bekommt das Team auch Unterstützung von Fahrerinnen und Fahrern, die ihren eigentlichen Beruf beispielsweise aus gesundheitlichen Gründen zeitweise nicht ausüben können. In der Sattlerei gibt es immer gut zu tun. Die Sitzelemente werden auch auf Vorrat gefertigt, um im Bedarfsfall schnell tauschen zu können.
Arbeit, die zufrieden macht
„Auch die roten Stoffbezüge haben ein Muster. Da gilt es darauf zu achten, dass dieses exakt zuläuft. Da bin ich eigen, die exakte Optik sendet eine Botschaft“, so Oldenburger. Und wer einmal einen freien Sitzplatz in der U-Bahn ansieht, weiß, was er meint. Das Muster aus kleinen „Kästchen“ in Reihe verläuft ganz gerade längs des Sitzes. Und auch oben und dort, wo Rückenlehne und Sitzschale aufeinander treffen. Es verläuft perfekt. Im Übrigen: Die Sitzbezüge müssen so straff aufgezogen sein, dass sie auch nach Jahren nicht verrutschen und so viel „Spiel“ haben – eigentlich kaum eines –, dass sie nicht allmählich reißen. Das alles sähe nicht gut aus. „Klar, letztlich sind es jeden Tag die gleichen Arbeitsschritte. Aber wir sehen auch jeden Tag, was wir wieder geschafft haben und wenn die Sitze von den Kolleginnen und Kollegen in den Zügen eingebaut sind, dann überzeugt das Ergebnis. Das ist entscheidend. Wir machen eine sinnvolle Aufgabe.“
Leider auch an Sitzen: Vandalismusschäden
Nicht immer kommt ein Sitz zur Erneuerung, weil der Bezug sechs bis acht Jahre alt ist. Immer wieder sind es auch Sitze, die mutwillig beschädigt werden. Michael Sust, der für die Sattlerei zuständige Vorarbeiter: „Ein großes Problem für uns ist der Vandalismus. Ob Kaugummi, Schmierereien oder gar aufgeschnittene Sitzpolster – das ärgert uns. Es sind Kosten, die wir und mit uns die Allgemeinheit zu tragen haben.“ Er kann nicht verstehen, warum Fahrgäste das machen. „Einen Kaugummi kann ich doch im nächsten Abfallkorb entsorgen. An jeder U-Bahn-Station gibt es ausreichend, an jeder Haltestelle ebenso. Oder ich wickle ihn ein und entsorgen ihn bei nächster Gelegenheit. Über Schmierereien und geschlitzte Sitze brauchen wir nicht zu sprechen. Das ist Vandalismus.“
Polstersitze ein Qualitätsmerkmal
Insgesamt ist das Team der Sattlerei aber stolz, den Fahrgästen in Nürnberg komfortable Polstersitze in den VAG-Fahrzeugen bieten zu können. „So etwas gibt es in vielen anderen Städten nicht“, bekräftigt das Team. Und Michael Sust sieht auch den großen Vorteil der eigenen Sattlerei. „Wir sind dadurch erheblich flexibler und die Kollegen haben den Ehrgeiz, dass die Bezüge 100 Prozent sitzen.“
Falls Sie auch gerne einen Film sehen: Unsere Sattlerei hatte dieses Jahr schon zweimal das Fernsehen zu Gast. Zuerst das FrankenFernsehen und dann den Bayerischen Rundfunk. Wir freuen uns über dieses Interesse. Denn ÖPNV ist mehr als nur von A nach B fahren. Sicher, zuverlässig und komfortabel sind die Qualitätsmerkmale unseres Angebotes.
Text: Elisabeth Seitzinger
Fotos: Claus Felix
Das Team der Sattlerei ist stolz darauf , den Fahrgästen in Nürnberg komfortable Polstersitze in den VAG-Fahrzeugen bieten zu können.
Insgesamt haben wir alleine in unseren U-Bahnen und Straßenbahnen über 25.000 Sitzelemente, die regelmäßig erneuert werden.
Rund 80 Prozent der Züge haben schon neue Polster. Im kommenden Jahr soll die Erneuerung abgeschlossen werden.
Sitzschallen und Rückenlehnen werden das ganze Jahr über in unserer eigenen Sattlerei in der U-Bahn-Wagenwerkstatt neu bezogen.
Auch die roten Stoffbezüge haben ein Muster. Da gilt es darauf zu achten, dass dieses exakt zuläuft.

Unsere Busse und Bahnen umrunden täglich fast zwei Mal die Welt und bringen rund 600.000 Fahrgäste jeden Tag sicher, zuverlässig, schnell und bequem an ihre Ziele. Um reibungslose Abläufe kümmern sich rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr, etwa 2.300 Mitarbeiter*innen.



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