Der VAG-Blog aus Nürnberg

Klimaanlagen in Bussen und Bahnen arbeiten auf Hochtouren

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Geschätzte Lesezeit ca. 8 Minuten

Inhalt dieses Artikels

Klimaanlagen in Bussen und Bahnen arbeiten im Sommer auf Hochtouren. Bei der VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft sind sie inzwischen Standard. Alle Neufahrzeuge werden seit 2012 mit Klimaanlage bestellt. Die Klimaanlagen kommen aber an Grenzen.

Endlich Sommer?!

Für die einen sind heiße Sommertage die schönste Jahreszeit, die es gibt, und andere geraten schon beim Gedanken daran ins Schwitzen und sehnen sich nach kühleren Jahreszeiten.
Wenn es so richtig heiß ist, wird es auch in öffentlichen Verkehrsmitteln, insbesondere in Straßenbahnen und Bussen warm, für manche auch einfach (zu) heiß.
Wir haben die verschiedenen Aspekte von heißen Tagen und öffentlichen Verkehrsmitteln für Sie zusammengestellt.

Klimawandel: mehr heiße Tage in Nürnberg

Allein die Tatsache, dass die Stadt Nürnberg auf ihrer Internetseite Informationen unter dem Stichwort Hitze zusammengestellt hat, macht schon deutlich, dass zu heiße Temperaturen auch in Nürnberg ein Thema sind. Seit einigen Jahren gibt es einen Hitzeaktionsplan, der regelmäßig aktualisiert wird. Und die Stadt informiert schon vor Beginn der heißen Tage über verschiedene Kanäle, was Menschen an sehr heißen Tagen beachten sollten. Informationen gibt es beispielsweise in einem Newsletter, den man abonnieren kann.

Hitzerekord: Die wärmsten zehn Jahre – 2014 bis 2024 

Auf der Seite des Umweltreferates der Stadt Nürnberg heißt es: „In Nürnberg ist ein allgemeiner Erwärmungstrend deutlich erkennbar. Insbesondere seit den 1990er Jahren sind die Jahresdurchschnittstemperaturen stark gestiegen. Neun der zehn wärmsten Jahre seit Wetteraufzeichnungen in Nürnberg sind in den Jahren ab 2014 gemessen worden. Das Jahr 2025 war ein überdurchschnittlich warmes, jedoch kein rekordbrechend heißes Jahr. Dennoch geht das vergangene Jahrzehnt als das bislang wärmste Jahrzehnt und das Jahr 2024 als das heißeste Jahr in die über 80-jährige Statistik, seit Beginn der Lufttemperaturmessungen am Nürnberger Flughafen im Jahr 1934, ein.“

Es ist also nicht nur ein Gefühl, dass es insgesamt wärmer wird und es mehr sehr heiße Tage gibt. Es ist belegt und damit dauerhaft eine neue Herausforderungen für alle – auch Unternehmen wie die VAG, die mit ihrem Angebot abgesehen von der U-Bahn dem Wetter zu jeder Jahreszeit ausgesetzt ist.

Die Folgen der Klimaänderung für den ÖPNV

Noch in den 1990er Jahren und Anfang unseres Jahrhunderts waren klimatisierte Fahrzeuge im öffentlichen Nahverkehr kein Thema. Es gab wenige Tage im Jahr mit Temperaturen über 30 Grad Celsius und wenige sogenannte Tropennächte mit Temperaturen über 20 Grad Celsius.

Folglich beschaffte die VAG noch in den 1990er und Anfang der 2000er Jahre keine Fahrzeuge mit Klimaanlage für den Fahrgastraum. Selbst für Fahrer*innen wurden sie von den Herstellern erst ab Mitte der 2000er Jahre angeboten.

Klimatisierung wird zum Thema in Bussen und Bahnen

Inzwischen hat sich die Situation geändert. Die Klimatisierung von Bussen und Bahnen ist ein Thema. Hersteller bieten technische Lösungen an, die inzwischen gut funktionieren.
Aber zunächst noch eine grundsätzlich gültige Feststellung, die letztlich für jedes Verkehrsmittel gilt:

• Es ist schwierig, die Fahrzeuge im Hochsommer auf eine Wohlfühltemperatur zu bringen. Dies gilt für alle Fahrzeuge, die an der Oberfläche unterwegs sind und ganztags der Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind.

• Im Vergleich zum Auto sind Busse und Bahnen aber besser. Sie stehen nicht oder immer nur kurz und die Klimaanlage läuft den gesamten Tag über durch. Wer in ein über den Tag in der Sonne geparktes Auto steigt, hält unwillkürlich die Luft an, so heiß ist es. Zudem muss er aufpassen, dass er sich am heißen Lenkrad nicht die Finger „verbrennt“ und das Hinsitzen ist auch kein Vergnügen.

Hitze und Luftfeuchtigkeit: Es geht noch unangenehmer

Schwülheiße Tage machen den Sommer manchmal unerträglich. Egal, wo man sich aufhält. Das gilt also auch für Busse und Bahnen.

Die Klimatisierung der Fahrzeuge ist nicht allein wegen hoher Temperatur schwierig. Die Luftfeuchtigkeit ist ein entscheidender Faktor. Ist sie hoch, fühlt es sich heißer und damit belastender an als es eigentlich ist. Mehrere heiße, aber trockene Tage werden als angenehmer wahrgenommen.

Klimaanlagen entziehen der Luft die Feuchtigkeit 

Unangenehm wird es, wenn die Luftfeuchtigkeit an schwülen Tagen noch eines draufsetzt oder es bei hohen Temperaturen regnet. Über die Klimaanlage können wir der Luft Feuchtigkeit entziehen, um es angenehmer zu machen. Das ist grundsätzlich gut: Denn wenn es heiß ist, schwitzen unsere Fahrgäste, selbst, wenn sie sich nicht bewegen.

Die Außentemperatur ist unser Maßstab für die Klimatisierung

Wir orientieren uns bei der Temperatureinstellung im Fahrzeug an der Außentemperatur. Mit steigender Außentemperatur wird die Temperaturkurve im Fahrzeug nachgezogen, steigt also mit. Der Grund: Es ist nicht gesund, wenn der Unterschied zwischen drinnen und draußen zu groß ist. Das empfinden auch viele Menschen so.

Die Regelung erfolgt automatisch

Unsere Klimaanlagen sind übrigens voreingestellt, sie werden nicht von unseren Fahrer*innen geregelt. Das hat einen einfachen Grund: Wir wollen in den Fahrzeugen möglichst einen Standard halten und dies nicht vom individuellen Empfinden von Fahrgästen und Fahrer*innen abhängig machen.

Was unsere Fahrer*innen aber tun können: Sie öffnen an besonders heißen Tagen nicht alle Türen auf Knopfdruck, sondern es öffnen sich nur die, bei denen Fahrgäste das Türöffnen angefordert haben. Das hält kühlere Luft im Inneren und wärmere draußen.

Was macht es uns schwer die Temperatur zu halten

Die Klimatisierung ist quasi eine Dauerschleife, denn an jeder Haltestelle geht mit dem Türöffnen kühlere Luft raus und warme Luft kommt ins Fahrzeug. Es ist deshalb fast unmöglich, die Temperatur im Fahrzeug gekühlt zu halten, obwohl die Klimaanlage auf Hochtouren läuft.

Unser Tipp: Weiter weg von den Türen setzen oder stellen. Da ist es angenehmer. Das geht aber selbstverständlich nur, wenn dort Platz ist.

Klappfenster müssen geschlossen bleiben

Im Zuge der Klimatisierung der Fahrzeuge wurden vorhandene Klappfenster verschlossen. Aus einem einfachen Grund: Auch sie machen, wenn sie geöffnet sind, eine Klimatisierung des Fahrzeuginnenraums unmöglich.

Bitte achten Sie darauf, dass die Klappfenster tatsächlich geschlossen sind. Wenn nicht, informieren sie die Fahrer*innen. Es gibt Fahrgäste, die die Klappfenster öffnen, und damit eine Klimatisierung unnötig erschweren.

„Klappfenster auf“ bei defekter Klimaanlage

Die Klappfenster machen aber dennoch Sinn. Sie werden geöffnet, wenn die Klimaanlage ausgefallen ist. Das kann auch bei guter Wartung nicht vermieden werden.

Übrigens: Fahrzeuge mit defekter Klimaanlage tauschen wir so schnell als möglich aus. Im Normalfall bringen wir unsere Fahrgäste aber noch ans Ziel, führen also die Fahrt zu Ende.

Ein weiterer Aspekt der Klimatisierung: Lüften und Kühlen

Noch ein Aspekt, der die Klimaanlagen fordert: Moderne Vollklimaanlagen regeln einen optimalen Luftaustausch im Fahrzeug. So wird der CO2-Gehalt der Innenluft gemessen und der Frischluftanteil entsprechend optimal zugesteuert.

Ist der CO2-Gehalt also hoch und es ist heiß, führt die Vollklimaanlage gewollt mehr warme bis heiße Außenluft zu, weil sie einen höheren Sauerstoffgehalt hat. Die Klimaanlage muss also noch mehr Kühlleistung bringen.

Die Klimaanlage berücksichtigt Außen- und Innentemperatur beim Lüften und Kühlen. Ab 26 Grad Außentemperatur haben wir als Sollwert für die Innenraumtemperatur ein bis zwei Grad Celsius darunter festgelegt. Mit zunehmender Außentemperatur werden es bis vier Grad Celsius Unterschied.

Wir bitten unsere Fahrgäste um Verständnis, aber die Möglichkeiten sind bei sehr hohen und sehr niedrigen Temperaturen begrenzt, wie wir schon erläutert haben.

Kompromiss zwischen Komfort und Klimaschutz

Falls Sie sich jetzt dennoch fragen, ob da nicht mehr ginge als vier Grad Celsius Unterschied bei über 30 Grad Celsius Außentemperatur. Ginge schon, aber ob das gesund und klug ist, ist die andere Seite.

Letztendlich versuchen wir es unseren Fahrgästen in unseren Bussen und Bahnen möglichst angenehmer zu machen als außerhalb der Fahrzeuge. Auch mit Blick auf gesundheitliche Aspekte ist das vernünftig. Zu krasse Unterschiede belasten den Kreislauf noch mehr. Und die Verweildauer in den Fahrzeugen ist im Schnitt kurz.

Die Klimaanlage zieht Energie

Die Festlegung bezüglich der Innentemperatur ist aber auch ein Kompromiss zwischen Komfort und Klimaschutz. Und jetzt werden Sie vielleicht staunen: 60 Prozent des Stromverbrauchs bei unseren Fahrzeugen gehen auf den Antrieb und dazugehörige Systeme. 40 Prozent des Stroms brauchen wir für das Kühlen im Sommer bzw. Heizen im Winter. Jede Menge. Hätten Sie das erwartet?

Um den Energieverbrauch nochmals anders deutlich zu machen: Unsere neuesten eBusse der Firma Mercedes Benz schaffen bei durchschnittlichen Temperaturen und energiesparender Fahrweise bis zu 450 Kilometer. Diese Reichweite reduziert sich beim Kühlen um etwa 100 Kilometer, beim Heizen um bis zu 200 Kilometer. Nur um deutlich zu machen, wie der Verbrauch durch Komfortgewinn steigt.

Wir bekommen diese Unterschiede mit der Disposition der Fahrzeuge gut hin, aber bei einem Mehrverbrauch für Klimatisierung hätten wir ein Problem. 

Unsere Busse hatten die ersten Klimaanlagen

2025 haben wir im Busbereich übrigens die letzten Fahrzeuge ohne Klimaanlage außer Betrieb genommen. Die ersten mit Klimaanlage gingen 2012 auf Strecke.

Trambahnen mit und ohne Klimaanlage im Einsatz

Unsere inzwischen 26 neuen Straßenbahnen des Typs Avenio sind klimatisiert. Das ist jetzt und künftig Standard und tut einfach gut.

Leider verfügen unsere ältesten Straßenbahnen aus den 1990er und von Anfang 2000er Jahren über keine Klimatisierung des Fahrgastraumes. Wir haben das im Zuge des sogenannten ReDesign, der technischen und optischen Modernisierung der Fahrzeuge, vor ein paar Jahren geprüft, mussten aber feststellen, dass das nicht machbar ist. Die Fahrzeuge sind baulich, insbesondere was das Gewicht betrifft, dafür nicht geeignet. Möglich war immerhin eine Klimatisierung des Arbeitsplatzes für die Fahrer*innen. Darüber waren wir sehr froh , weil diese über mehrere Stunden im Fahrzeug Dienst tun. Sie müssen dabei konzentriert bleiben und das geht tatsächlich bei den aktuellen Temperaturen ohne Klimatisierung nicht mehr.

Mit Blick auf Sie, unsere Fahrgäste, haben wir aber die Fenster der älteren Straßenbahnen mit UV-Schutzfolien beklebt und konnten so die Innenraum-Temperatur bei Sonneneinstrahlung um einige Grad senken.

Vorteil Untergrund: Gleichmäßigere Temperaturen für die U-Bahn

Bei der U-Bahn ist es einfacher, die Temperatur im Hochsommer angenehm zu halten, weil die Fahrzeuge doch überwiegend im Tunnel unterwegs sind. Die Temperatur dort ist auch im Sommer niedriger als an der Oberfläche. Im Winter ist es in der Regel auch angenehmer als an der Oberfläche. 

Die automatischen Züge der Baureihen DT3 und DT3-F haben keine Klimaanlage, sind aber ausschließlich im Tunnel mit Fahrgästen unterwegs.

Eine Fahrgastklimatisierung hat der G1, unser neuester U-Bahn-Zug, der auf der U1 unterwegs ist. Diese ist voreingestellt. Die G1-Züge werden bei einer Abstellung an der Oberfläche vor der ersten Fahrt klimatisiert. Sie sollen sich in Abstellung zudem nicht über 35 Grad aufheizen. Im Betrieb ist die Innentemperatur selbstverständlich niedriger.

Unsere Empfehlung für die heißen Tage in Bussen und Bahnen

Wir empfehlen Ihnen in jedem Fall Trinkwasser mitzunehmen und regelmäßig zu trinken. Ganz im Sinne des Mottos der Stadt: Flasche in Tasche.

Trinken ist insbesondere für Kinder und für ältere und kranke Menschen wichtig.

In der Innenstadt gibt es deshalb schon seit den 1990er Jahren Trinkwasserbrunnen der N-ERGIE – damals noch der EWAG Energie- und Wasserversorgung – und inzwischen am Hauptmarkt auch einen Trinkwasserbrunnen, wo Sie sich bequem die Trinkflasche mit Trinkwasser füllen können.

Wer gesundheitliche Probleme hat, sollte die heißen Stunden, wenn möglich, meiden, also beispielsweise früh Einkaufen gehen oder andere Aufgaben erledigen. Dass das nicht immer möglich ist, ist uns bewusst. Aber vieles ist doch möglich. Beispielsweise, wenn es um das Gießen eines Grabes geht. Frühmorgens oder Abends ist das angenehmer als in der Mittagszeit und auch für die Pflanzen besser.

Mehr Informationen rund um die heißen Tage

Mehr Tipps zum Thema und wie man angenehmer durch den heißen Sommer kommt: hitze.nuernberg.de

ÖPNV-Fahrgäste sind Klimaschützer

Übrigens: Alle Fahrgäste von Bussen und Bahnen tragen dazu bei, dass sich das Klima nicht noch schneller erhitzt. ÖPNV-Fahrgäste reduzieren den klimaschädlichen CO2-Ausstoß, anders als Verbrennerfahrzeuge. Wir setzen hier noch eines drauf: Alle unsere Straßenbahnen und U-Bahnen fahren mit Ökostrom. Von unserer etwa 200-Fahrzeuge-starken Busflotte sind bereits 126 mit Ökostrom unterwegs.

Danke für Ihren Beitrag zum Klimaschutz. Schön, dass Sie mit uns fahren.

 

Text: Elisabeth Seitzinger 
Foto: VAG – Claus Felix

 

 

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