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Stadtteilserie: Südstadt

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Geschätzte Lesezeit ca. 8 Minuten

Inhalt dieses Artikels

Heute begeben wir uns mit unserer Stadtteilserie in die Nürnberger Südstadt. In die Viertel rund um den Hauptbahnhof: Tafelhof, Galgenhof und Gibitzenhof. Dass diese Stadtteile weit mehr zu bieten haben, als man auf den ersten Blick vermuten könnte, zeigen zahlreiche Bauwerke und Orte, die die Zeit überdauert haben.

Steckbrief

Namen: Tafelhof, Galgenhof, Gibitzenhof
Fläche: Tafelhof 65 Hektar, Galgenhof 85 Hektar, Gibitzenhof 43 Hektar
Einwohnerzahl (Stand 2024): Tafelhof 1.382, Galgenhof 20.149, Gibitzenhof 5.557
ÖPNV-Anbindung: Die Nürnberger Südstadt ist durch die U-Bahn-Linie U1, durch die Straßenbahn sowie durch Buslinien hervorragend ans Netz angebunden. Und durch die Nähe zum Hauptbahnhof ergibt sich eine hervorragende Verkehrsanbindung.
Besonderheit: Die Nürnberger Südstadt vereint historische Vororte, gründerzeitliche Wohnquartiere und bedeutende Industriestandorte.

Tafelhof

Den Anfang in der Südstadt macht Tafelhof. Dieser Stadtteil wurde erstmals im Jahr 1445 urkundlich erwähnt. Bis 1552 existierte hier ein Gut, das für die Versorgung der königlichen Tafel zuständig war. Vermutlich wurde es aus strategischen Gründen niedergebrannt, da es zu nah an der erweiterten Stadtmauer lag. Bis Ende des 18. Jahrhunderts umfasste Tafelhof 27 Anwesen.

Schon damals war Tafelhof ein wichtiger Ort für Kommunikation und Verkehr. Noch heute verdeutlicht das der Hauptbahnhof als wichtigster Verkehrsknotenpunkt der Stadt. Im DB Museum und dem Museum für Kommunikation können Zeugnisse früherer Einrichtungen bestaunt werden. Die letzten verbliebenen Dorfhäuser im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Zu Tafelhof gehören:

Hauptbahnhof

Die Geschichte der Eisenbahn in Nürnberg reicht bis in das Jahr 1835 zurück. Damals begann mit der ersten Fahrt des „Adler“ zwischen Nürnberg und Fürth das Eisenbahnzeitalter in Deutschland. Der damalige Nürnberger Bahnhof befand sich allerdings noch am Plärrer.

Mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes entstand, auf dem heutigen Bahnhofsareal, zwischen 1844 und 1854 der alte Ludwigsbahnhof. Dieser wurde allerdings schon bald den steigenden Anforderungen des Bahnverkehrs nicht mehr gerecht. Daraufhin entstand von 1903 bis 1906 der neubarocke Bau, dessen Mauern noch heute einen imposanten Eindruck hinterlassen.

Wie vieles in Nürnberg wurde auch der Bahnhof im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und nach dem Ende des Kriegs wieder aufgebaut. Vom Inneren des alten Bahnhofs ist nur der Jugendstilsaal geblieben, in dem sich heute das DB-Reisezentrum befindet.

Ab 1973 wurde der Hauptbahnhof in die Tiefe erweitert und die U-Bahn hielt Einzug. Mehr dazu gibt es hier in der Rubrik Zahl des Monats zum Nachlesen. 

Übrigens: der Nürnberger Hauptbahnhof ist mit täglich über 200.000 Reisenden ein wichtiges Verkehrsdrehkreuz in Deutschland. Als zentraler Knotenpunkt für Fern- und Regionalzüge, S-Bahnen, U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse verbindet er Nürnberg mit anderen Städten und dem Rest der Welt.

Mit seinen zahlreichen Bahnsteiggleisen gehört er zu den größten Durchgangsbahnhöfen der Welt und ist der Bahnhof mit den meisten Gleisen in Europa.

Opernhaus

Das Opernhaus wurde zwischen 1901 und 1905 erbaut. Mit Baukosten von rund 4,2 Millionen Goldmark galt es seinerzeit als einer der teuersten Theaterbauten Europas. Als Standort wurde der des ehemaligen städtischen Krankenhauses gewählt. Dieses war seinerzeit schon durch das heute noch existierende Klinikum-Nord abgelöst worden. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden die ursprünglichen Jugendstilelemente der Innenräume entfernt und Umbauten vorgenommen, unter denen bis heute die einst gut durchdachte Raumakustik leidet. Außerdem befand sich bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten das Beethovendenkmal, welches heute vor der Hallerwiese steht, vor dem Opernhaus.

Museen

Das ehemalige Verkehrs- und Postmuseum wurde im Laufe der Zeit in zwei eigenständige Einrichtungen aufgeteilt: das DB Museum und das Museum für Kommunikation Nürnberg. Beide Einrichtungen befinden sich heute am selben Standort, in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof und führen die Tradition des ursprünglichen Museums fort.

Galgenhof

1296 wurde der Stadtteil das erste Mal als „Galgenhoff“ erwähnt. Der Name lässt sich auf einen Hügel vor dem Frauentor zurückführen, auf dem sich einst ein von weitem sichtbarer Galgen befand. 1552 im Zweiten Markgrafenkrieg wurde der Hof – ebenfalls aus strategischen Gründen – niedergebrannt. Heute ist Galgenhof eine Wohnsiedlung in zentraler Lage.

Zum Stadtteil in der Nürnberger Südstadt gehören unter anderem:

Christuskirche

Die Christuskirche wurde Ende des 19. Jahrhunderts im neugotischen Stil erbaut und galt als technische Sensation ihrer Zeit. Als erste Kirche Deutschlands verfügte sie über eine elektrische Beleuchtung und eine elektrische Heizung. Ermöglicht wurde dies durch die Unterstützung des Nürnberger Industriellen Sigmund Schuckert, dessen Fabrik in der Südstadt die Kirche mit Strom versorgte.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Kirchengebäude weitgehend zerstört. Lediglich der Turm blieb nahezu unversehrt. Nach dem Krieg entstand an seiner Stelle eine schlichte Saalkirche aus Stahlbeton. Der historische Turm prägt bis heute das Stadtbild, obwohl er später durch einen Brand erneut beschädigt wurde.

Gustav-Adolf-Gedächtniskirche

Die Gustav-Adolf-Gedächtniskirche wurde in Anlehnung an die romanischen Basiliken des 12. Jahrhunderts errichtet und 1930 eingeweiht. Bereits 1944 wurde sie jedoch bei Luftangriffen fast vollständig zerstört und anschließend wieder aufgebaut. Besonders auffällig ist das Reiterstandbild von König Gustav II. Adolf von Schweden, das sich vor den ansonsten schlicht gehaltenen Wänden der Kirche abhebt. Die monumentale Skulptur wurde aus einem rund 15 Tonnen schweren Muschelkalkblock gefertigt.

Petzenschloss

Nah bei der Gustav-Adolf-Gedächtniskirche befindet sich das historische Petzenschloss. Seinen heutigen Namen erhielt es 1582 durch die Heirat von Pius Petz, einem Fernhändler und Marie Schönborn. Bereits zehn Jahre zuvor hatte ihr Vater, der Kaufmann Valentin Schönborn, das Anwesen erworben und das Schloss errichten lassen. Während des Dreißigjährigen Krieges diente der Herrensitz dem schwedischen König Gustav Adolf zeitweise als Hauptquartier.

Südstadtbad

Wer unabhängig vom Wetter etwas schwimmen möchte, hat im Südstadtbad die Gelegenheit dazu. Das moderne Hallenbad befindet sich direkt neben der Gustav-Adolf-Gedächtniskirche. Das Außenbecken ist ganzjährig geöffnet und das Bad besitzt die größte Saunalandschaft in Nürnberg.

Nymphenbrunnen

Der Nymphenbrunnen auf dem Aufseßplatz wurde 1895 vom Unternehmer Maximilian Brust, dem Besitzer der Vereinigten Fränkischen Schuhfabriken, gestiftet. Nach einem Entwurf des Bildhauers Friedrich Zadow entstand eine repräsentative Brunnenanlage, deren Mittelpunkt eine bronzene Nymphe mit zwei spielenden Knaben und einer Gans bildet.

Parkanlagen

Für einen Ausgleich in der sonst dicht bebauten Südstadt sorgen der Südstadtpark und Annapark. Mit ihren Grünflächen, Sitzgelegenheiten und Spielplätzen bieten sie einen Erholungsraum für die Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtteils. Zudem ist der Annapark regelmäßiger Veranstaltungsort des traditionellen Südstadtfests und damit ein lebendiger Mittelpunkt des Stadtteils.

Nelson-Mandela-Platz mit Fahrradspeicher

Ein weiterer erwähnenswerter Ort in diesem Stadtteil ist der Nelson-Mandela-Platz. 2020 wurde der Platz komplett umgestaltet. Wo sich zuvor vor allem Parkplätze befanden, entstand ein moderner Platz mit Grünflächen und Sitzgelegenheiten.
Zudem befindet sich dort seit 2020 das erste Fahrradparkhaus in Nürnberg: Der Fahrradspeicher. Circa 400 Fahrräder lassen sich dort entspannt parken. Neben Fahrradparkplätzen gibt es übrigens auch 50 kleine Schließfächer und Möglichkeiten, sein Fahrrad zu reparieren. Es steht ein Schlauchautomat zur Verfügung sowie ein paar Werkzeuge mit Fahrradpumpe.

Casablanca

Die Erfolgsgeschichte des Casablanca ist ein Beispiel für die Lebendigkeit der Kulturszene Nürnbergs und zeigt eindrucksvoll, was durch bürgerschaftliches Engagement erreicht werden kann. Ursprünglich war das Gebäude in Zeiten der Flower-Power-Bewegung ein Theater. Dieses musste allerdings nach wenigen Jahren aus finanziellen Gründen schließen. Daraufhin wurde es von den Betreibern der „Meisengeige“, ebenfalls ein Kino, gekauft. 1976 öffnete dann das Casablanca seine Türen. Im Laufe der Jahre entwickelte sich das Kino zu einer festen Größe der Nürnberger Kulturszene. Mitte der 80er Jahre entstand in Handarbeit die kunstvolle Fassadenbemalung, welche Motive bekannter Filme sowie die damaligen Hausbewohner zeigt.
Als das Kino 2009 vor dem Aus stand, gründete sich der Verein „Casa e. V. – Kunst und Kultur in der Südstadt“. Durch ehrenamtliches Engagement konnte das Casablanca erhalten und renoviert werden.

Gibitzenhof

Auch wenn der Stadtteil eher klein ist, hat er dennoch eine interessante Geschichte. Das erste Mal urkundlich genannt wurde Gibitzenhof 1372. Seinen Namen verdankt der Stadtteil dem Kiebitz – einer Vogelart aus der Familie der Regenpfeifer. Der zweite Teil des Namens basiert auf den früheren Gutshöfen, welche die Kaiser- und Markgrafenburg versorgten. Der Herrensitz Gibitzenhof wurde ebenfalls im Zweiten Markgrafenkrieg niedergebrannt und später wieder aufgebaut, allerdings im Zuge des Zweiten Weltkriegs endgültig zerstört.

St. Ludwig

Ein bedeutendes Wahrzeichen in Gibitzenhof ist die katholische Kirche St. Ludwigs mit dem angeschlossenen ehemaligen Franziskanerkloster. Die Franziskaner übernahmen 1910 die seelsorgerische Betreuung der katholischen Bevölkerung im stark wachsenden Arbeiterviertel. Da die bisherige Notkirche den Bedürfnissen der Gemeinde nicht mehr genügte, entstand zwischen 1923 und 1926 die monumentale Klosterkirche St. Ludwig nach den Plänen des Architekten Otto Schulz. Gemeinsam mit dem Kloster prägte sie fortan das Stadtbild des Nürnberger Südens. Im Zweiten Weltkrieg wurden Kirche und Kloster schwer zerstört, anschließend jedoch wieder aufgebaut. 2006 musste das Kloster aufgrund mangelnden Nachwuchses schließen. Das Gebäude befindet sich weiterhin im Besitz der Kirche und beherbergt heute die Caritas, die Pfarrgemeinde, eine Kindertagesstätte sowie ein Wohnprojekt der Joseph-Stiftung für Senior*innen und kinderreiche Familien.

Welchen Stadtteil sollen wir als nächstes vorstellen?

Wie immer, gibt es auch zu Langwasser einen Short auf unserem Youtube-Kanal. Und wer weitere Ideen für Stadtteile hat, die wir vorstellen sollen, der schreibt es in die Kommentare. Alle bereits erschienenen Stadtteile gibt es hier auf einen Blick. 

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